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Olympische Ringe am Eifelturm Olympische Ringe am Eifelturm  (AFP or licensors)

Olympia: Glaube ist Kraftquelle für Spitzensport

Insgesamt 80 Athletinnen und Athleten aus Österreich kämpfen bei den Olympischen Spielen von 26. Juli bis 11. August um einen Platz auf dem Podest. In den rund zwei Wochen sportlicher Extremleistung wird Olympia- und Paralympics-Seelsorger Johannes Lackner ihnen in Paris geistlichen Beistand leisten.

Ob bei Besuchen im Quartier der Olympioniken, bei der Begleitung der Wettkämpfe, bei Gottesdiensten oder als Beichtvater: Lackner möchte den Sportlerinnen und Sportlern „aus dem Glauben heraus Halt, Kraft und Ermutigung geben", damit sie im Wettbewerb gut bestehen. „Der Glaube ist eine Kraftquelle für den Spitzensport", erklärte der sportbegeisterte Priester im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress.

Sport bringt Menschen zusammen und fördert viele Werte, die auch im Christentum von zentraler Bedeutung sind: Darauf hat der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Sport zuständige Referatsbischof Alois Schwarz anlässlich des Beginns der Olympischen Sommerspiele in Paris am Freitag hingewiesen. Großereignisse dieser Art „fördern das Miteinander und den Dialog zwischen verschiedenen Kulturen", sagte der St. Pöltner Oberhirte gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Diese dabei ermöglichten Begegnungen erinnerten ihn „an die christliche Gemeinschaft, die auf gegenseitigem Verständnis und Unterstützung basiert".

Geistliches Angebot im Olympischen Dorf

Der gebürtige Kitzbühler Lackner, der seit 2022 Olympia- und Paralympics-Seelsorger in Österreich ist, ist in Paris Teil eines internationalen Teams von 40 Seelsorgern. Im Olympischen Dorf werden jeden Tag Messen auf Französisch, Englisch und auch Deutsch gefeiert. Schauplatz ist das sogenannte „Multi-Faith-Centre", in dem es für jede Religionsgemeinschaft einen eigenen Gebetsraum geben soll, wie Lackner darlegte. „Auch für Christen und Katholiken wird es einen Raum geben, in dem mindestens ein Priester für Gespräche oder zur Abnahme der Beichte bereitsteht" - unter ihnen auch der österreichische Olympia-Kaplan.

Abgestimmt auf die Trainingspläne der österreichischen Sportlerinnen und Sportler will der Olympia-Kaplan sonntags wie auch ein- bis zweimal unter der Woche einen Gottesdienst feiern. „Ein Gottesdienst kann für die Teilnehmenden in der Hektik der Olympischen Spiele auch Ruhe bedeuten und eine Möglichkeit geben, um auf andere Gedanken zu kommen", verwies Lackner auf seine eigene Erfahrung. Ehe er als 18-Jähriger den österreichischen Meister bei der Bundesolympiade in Latein holte, sei auch er in der Kirche gewesen, denn „der Glaube und das Vertrauen auf Gott, der einen unterstützt, machen vor einem Wettkampf innerlich ruhig".

Zwischen Spitzensport und religiösem Glauben gebe es viele Berührungspunkte, unterstrich Schwarz. Beide erforderten Disziplin und Hingabe, zumal könne der Glaube Athleten in schwierigen Momenten Kraft geben.

Auch die Hoffnung und Solidarität kämen bei den Spielen zum Ausdruck, ganz konkret etwa beim „Refugee Olympiateam". Die erstmals 2016 bei Olympia teilnehmende, aus anerkannten Flüchtlingen zusammengesetzte Mannschaft „verkörpert die christliche Lehre der Nächstenliebe und die Unterstützung der Schwächsten", sagte Schwarz.

„Ähnlich wie Spitzensportler alles geben, sollen auch wir das Beste aus uns herausholen, unsere Talente entfalten und unser Bestes im Dienst an unseren Mitmenschen tun, um die himmlische Goldmedaille zu gewinnen“

„Himmlische Goldmedaille"

So wie der Glaube Athletinnen und Athleten Kraft schenke, eigne sich auch der Sport mit seinem positiven Leistungsgedanken als ein Vorbild für Christinnen und Christen. „Ähnlich wie Spitzensportler alles geben, sollen auch wir das Beste aus uns herausholen, unsere Talente entfalten und unser Bestes im Dienst an unseren Mitmenschen tun, um die himmlische Goldmedaille zu gewinnen", so Lackner, der sich hier auf Stellen des Paulusbriefes an die Korinther (1Kor 9,24-9,25) berief. Dort heiße es: „Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen", zitierte der Priester aus der Bibel.

Medaillenchancen für Österreich sieht Lackner am ehesten beim Schwimmen, in der Leichtathletik, beim Klettern und beim Mountainbike; aber auch beim Segeln und beim Judo könne Österreich vorne mitmischen. Für ein paar der Bewerber habe er schon Karten, so der Olympia-Kaplan, der selbst in seiner Freizeit gern mit dem Mountainbike und auf Skiern unterwegs ist. Er wolle sich jeden Tag von seiner Unterkunft bei den Salesianern in Paris auf den Weg ins olympische Dorf machen, um für alle Bewerberinnen und Bewerber, unabhängig von ihrer Konfession, da zu sein, kündigte er an. Auch der Sportbischof Schwarz versicherte die Athleten seiner Gebete. Er wünsche ihnen „Gesundheit, Freude und Erfüllung", dass sie „ihre besten Leistungen erbringen und den olympischen Geist leben". Außerdem bete er auch dafür, „dass sie in ihrem Sport die Gegenwart Gottes spüren und Zeugen des Glaubens sind", so die Hoffnung des Bischofs.

Außerdem wird Lackner von 28. August bis zum 8. September auch die Paralympics in Paris seelsorgerisch begleiten. Für Lackner sind es "gerade die Parasportler, die ein Zeugnis der Hoffnung und des Mutes geben", denn: „Sie zeigen, wie sportliches Engagement hilft, scheinbar unüberwindbare Schwierigkeiten zu überwinden."

Brücke des Friedens

Eindeutig stecke im sportlichen Wettkampf auch ein Friedenspotenzial, erst recht angesichts von Kriegen, fuhr Schwarz fort. Ein „Brücke des Friedens" könne so in schwierigen Zeiten entstehen, würden die Olympischen Spiele doch die Völkerverständigung und den respektvollen Umgang miteinander fördern. Das entspreche auch den christlichen Friedensgeboten.

Positiv äußerte sich der Sportbischof zur vom Internationalen Olympischen Komitee gefundenen Regelung für Athleten aus Russland und Belarus, wonach nur „neutrale" unter ihnen - also solche, die den russischen Einmarsch in der Ukraine nicht öffentlich unterstützen oder nicht aktiv im Militärdienst sind - an den Spielen teilnehmen dürfen: Schwarz sprach hier von einem „Balanceakt zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit".

Olympia sei außerdem ein „Symbol für die Einheit der Menschheit", bei dem das Gemeinsame gefeiert werde, während kulturelle und religiöse Unterschiede in den Hintergrund träten.

(kap-schw)

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24. Juli 2024, 14:39