Schweiz: Ruf der katholischen Kirche stark beschädigt
Befragt wurden insgesamt 2.900 Personen, darunter Mitglieder und ehemalige Mitglieder sowohl der katholischen als auch der reformierten Kirche. Laut den Ergebnissen haben lediglich 15 Prozent der Befragten ein positives Bild der katholischen Kirche. Die reformierte Kirche schneidet mit 37 Prozent deutlich besser ab. Besonders kritisch äußerten sich junge Menschen, Frauen und Konfessionslose. Auch innerhalb der eigenen Reihen sieht es düster aus: Nur 38 Prozent der katholischen Mitglieder bewerten ihre Kirche positiv – im Vergleich dazu sind es bei den Reformierten 64 Prozent. „Bei den Katholiken brodelt es auch an der Basis“, so Studienleiter Michael Hermann.
Ein anderes Bild zeigt sich bei zwei spezifischen Gruppen: Unter den befragten Mitarbeitenden haben 65 Prozent und unter den Mitgliedern mit Migrationshintergrund sogar 86 Prozent eine positive Einstellung zur katholischen Kirche. Diese Daten deuten darauf hin, dass die Kirche in bestimmten Kontexten ein besseres Image aufweisen kann.
Klare Unterschiede
Die Umfrage untersuchte auch die mit der Kirche verbundenen Emotionen und zeigte klare Unterschiede zwischen den Konfessionen. „Heftige negative Emotionen wie Enttäuschung, Frustration und Wut finden sich deutlich stärker bei den Katholiken“, erläuterte Hermann. Gleichzeitig ist die Bindung an die eigene Kirche unter Katholiken höher: 40 Prozent fühlen sich stark verbunden, verglichen mit 35 Prozent bei den Reformierten.
Ein Viertel der katholischen Mitglieder, genauer gesagt 27 Prozent, haben bereits über einen Austritt nachgedacht. Bei den Reformierten liegt der Anteil bei 21 Prozent. Trotz negativer Emotionen bleibt eine starke Bindung an die Kirche bestehen, bemerkte Hermann.
Schlechte Reputation
Die Ursachen für die schlechte Reputation liegen laut der Umfrage vor allem im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen sowie in ihrer Haltung zu religiösen und gesellschaftspolitischen Themen. Besonders negativ bewertet wurden die Positionen zur Frauenordination, Homosexualität und Abtreibung. Missbrauch, veraltete Vorstellungen und die Diskriminierung von Frauen wurden als Hauptgründe für Kirchenaustritte genannt.
Positiv wahrgenommen wird hingegen das soziale Engagement der katholischen Kirche. Viele Befragte betonten die Bedeutung kirchlicher Begleitung bei wichtigen Lebensereignissen wie Trauerfeiern (75 Prozent), Taufen (69 Prozent) und Hochzeiten (63 Prozent). In Bereichen wie der Krankenhausseelsorge wächst die Nachfrage nach christlicher Fürsorge, und die Kirche hat ihr Personal dort verstärkt.
Hintergrund
In der Schweiz gehören rund 30 Prozent der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren der katholischen Kirche an, etwa 20 Prozent sind evangelisch-reformiert. 35 Prozent der Bevölkerung sind konfessionslos. Angesichts der Umfrageergebnisse steht die katholische Kirche vor der Herausforderung, ihr Ansehen durch Reformen und ein stärkeres Eingehen auf gesellschaftliche Erwartungen wiederherzustellen.
(pm - mg)
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