Wie der heilige Stefanus zum Römer wurde
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
Eines ist sicher: Der Stefanstag nimmt dem Weihnachtsfest das Süßliche, Kitschige. Und er schiebt ihm einen Resonanzboden unter, der an den Ernst der Entscheidung für die Nachfolge Jesu gemahnt.
Mit Stefanus fängt für die junge Kirche vieles an: vor allem das Amt des Diakons. Aber auch die Weihe: Die Apostelgeschichte spricht davon, dass die ersten sieben Diakone in Jerusalem, zu denen auch Stefanus gehörte, von den Aposteln durch Handauflegung bestellt wurden. Dann sehen wir hier einen ersten Hinweis auf Christen mit nicht-jüdischem Hintergrund, auf sogenannte Heidenchristen; der Name Stefanus ist griechisch. Schon bevor andere das tun, tritt Stefanus vor dem Hohen Rat für einen Anspruch des Christentums ein, der über die Grenzen des jüdischen Glaubens ins Universelle hinausweist.
Ganz viel Anfang
Er wird zum ersten Märtyrer der Kirche überhaupt; wie Jesus, der gar nicht lange zuvor am Kreuz gestorben ist, vergibt er seinen Mördern. Und auch in der erstaunlichen Geschichte des hl. Paulus steht Stefanus am Anfang: Der noch unbekehrte Saulus ist bei der Steinigung des Stefanus präsent.
Stefanus ist also jemand, mit dem ganz viel anfängt. Auch für das Christentum in Rom, übrigens. Die römische Gemeinde hat mit ihrer Legende rund um den hl. Laurentius einiges von der Stefanusgeschichte „kopiert“, um auch für die Hauptstadt eine solche Anfangsfigur zu haben. In der Laurentiusbasilika am Stadtrand von Rom liegen Stefanus und Laurentius Seite an Seite begraben; die mutmaßlichen Gebeine des Stefanus sind im sechsten Jahrhundert – aus Konstantinopel – nach Rom gebracht worden.
In Rom begraben?
Auch Stefanus und Laurentius gelten einigen als Stadtpatrone von Rom: die Erzdiakone und Erzmärtyrer sozusagen auf Augenhöhe mit den Apostelfürsten Petrus und Paulus. Stefanus ist aus kirchlicher Perspektive zum Römer geworden; diese „Eingemeindung“ unterstreicht die Bedeutung, die er für die Kirche hat.
Warum platzt das Stefansfest mitten in die Weihnachtstage hinein? Es gibt viele Erklärungsversuche, aber keinen, der auf Anhieb überzeugt. Der Tag bleibt eine Herausforderung, die man aber geistlich fruchtbar machen kann, indem man die Spannung zwischen Inkarnation und Martyrium, zwischen Leben und Tod aushält.
(vatican news)
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