Kardinal Czerny besucht syrische Flüchtlinge im Libanon
Salvatore Cernuzio - Kfardlakos
Zwischen Staub, Armut und Tränen hat Kardinal Michael Czerny, Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen, in diesen Tagen das Flüchtlingslager Kfardlakos in der nordlibanesischen Stadt Tripoli besucht. Dort leben syrische Flüchtlinge seit Jahren in notdürftigen Unterkünften aus Zelten und einfachen Hütten, in denen manchmal bis zu sieben Menschen auf engstem Raum zusammenleben.
Die Caritas leistet dort humanitäre Hilfe, verteilt Lebensmittelpakete und stellt eine mobile Klinik bereit – doch die Not ist riesig. „Wir haben Schulden, wir frieren, wir haben Hunger. Unsere Kinder weinen, wenn sie auf dem Handy sehen, dass andere Kinder Fleisch essen“, berichtet ein Bewohner des Lagers verzweifelt.
„Wir wollen zurück – aber wohin?“
Der Wunsch der meisten Flüchtlinge ist es, nach Syrien zurückzukehren. „Gott sei Dank ist das Assad-Regime nicht mehr da, wir wollen unser altes Leben zurück“, sagt der Shawish, der Sprecher des Lagers. Doch die Realität sieht anders aus: „In Syrien gibt es nichts mehr. Niemand weiß, ob die neue Ordnung stabil ist oder ob sie sich noch verschlimmert.“
Währenddessen gerät auch der Libanon unter Druck: Das Land, das selbst mit einer tiefen Wirtschaftskrise, hoher Inflation und Arbeitslosigkeit kämpft, kann die 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge kaum noch unterstützen. Die Ressourcen sind erschöpft, die Spannungen zwischen Einheimischen und Geflüchteten wachsen. „Wenn uns jemand ein Zuhause in Syrien sichert, gehen wir sofort zurück“, flehen die Flüchtlinge.
„Der Papst weint mit euch“
Die Ankunft von Kardinal Czerny sorgte für Aufsehen. „Baba Francis!“, rufen einige Kinder und Erwachsene voller Hoffnung. „Nein, das ist nicht Papst Franziskus, sondern einer seiner engen Mitarbeiter“, klärt ein Priester auf.
Czerny versicherte den Menschen im Lager: „Wir sind hier, um euch kennenzulernen, euch zuzuhören und eure Hoffnung auf eine Rückkehr nach Syrien zu teilen. Der Papst ist froh, dass ich hier bin. Wir weinen über euer Leid. Der Papst weint mit euch. Er liebt euch.“
„Ich bin sprachlos“
Auf der Rückfahrt nach Harissa, einem wichtigen Wallfahrtsort im Libanon, reflektierte der Kardinal über das, was er gesehen hatte: „Ich bin sprachlos angesichts eines Lebens, das am absoluten Limit geführt wird. Die Bedingungen hier sind unmenschlich. Die Menschen kämpfen ums Überleben, sie wollen zurück, aber sie wissen, dass in Syrien nichts mehr ist. Faktisch gibt es für sie kein Zuhause mehr.“
(vatican news - mg)
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