Äthiopien: „Gott bewahre uns vor neuem Krieg“
Bischof Medhin aus der Eparchie Adigrat berichtete dem Fides-Dienst von wachsenden Spannungen in der Region. Er warnte vor einer „sehr blutigen Konfrontation“, in die Äthiopien und Eritrea verwickelt sein könnten. Hintergrund sei eine interne Spaltung innerhalb der „Tigray People's Liberation Front“ (TPLF). Eine Fraktion der Bewegung habe am 11. März die Kontrolle über die Stadt Adigrat nahe der eritreischen Grenze übernommen. „Gott bewahre uns davor, dass die beteiligten Parteien einen neuen Krieg in Tigray beginnen, das bereits enorm gelitten hat“, zeigte sich Medhin besorgt.
Die „Tigray People's Liberation Front“ (TPLF) war während des Tigray-Krieges in den Kampf gegen die äthiopische Bundesarmee involviert, bis 2022 in Pretoria ein Friedensabkommen zwischen der äthiopischen Regierung und der Bewegung unterzeichnet wurde. Die Befürchtung eines neuen Konflikts hängt mit der Spaltung der TPLF im vergangenen Jahr in eine Fraktion zusammen, die Tigray nun mit dem Segen der äthiopischen Bundesregierung verwaltet, und eine andere, die sich ihr widersetzt.
Dissidenten dringen vor
Laut Medienberichten haben TPLF-Dissidenten im März Büros und Radiosender in der regionalen Hauptstadt Mekelle und die Stadt Adigrat eingenommen, was sich mit den Angaben des Bischofs deckt. Die Führung der Übergangsverwaltung in Tigray habe die Zentralregierung um Unterstützung gegen die Dissidenten gebeten. Ein Vizepräsident der Übergangsverwaltung in Tigray habe gesagt, „jeden Moment könnte der Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea ausbrechen“.
Während des Krieges hatten eritreische Truppen die Grenze zur Region Tigray überschritten und zur Unterstützung der äthiopischen Bundesarmee gegen die TPLF-Truppen gekämpft. Dass Eritrea 2022 nicht am Friedensabkommen beteiligt wurde, habe einen Keil zwischen beide Länder getrieben, so Beobachter. Ein Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea würde angesichts der Bürgerkriege in Sudan und Südsudan einen regionalen Feuersturm entfachen und die ohnehin schon instabile Lage weiter destabilisieren, warnen sie.
Fehlende Hilfen
Bischof Medhin berichtete Fides weiter, dass die innenpolitische Lage in Tigray im Allgemeinen schwierig sei: „Die Spaltung zwischen den lokalen Politikern und die plötzliche Unterbrechung der USAID-Finanzierung benachteiligt Millionen von Menschen schwer“. Hilfsorganisationen wie die „Catholic Relief Services“ - die humanitäre Organisation der US-Konferenz der katholischen Bischöfe, die Nahrungsmittelsoforthilfe leistet – hätten ihre Aktivitäten eingestellt. Die katholische Kirche tue vor Ort ihr Besten, um die Menschen zu gut es geht zu unterstützen.
(fides/aciafrica – pr)
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