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Mark Carney, neuer kanadischer Premierminister Mark Carney, neuer kanadischer Premierminister 

Kanada: Debatte um Steuerprivilegien für religiöse Organisationen spitzt sich zu

Mark Carney hat offiziell das Amt des kanadischen Premierministers übernommen. Neben einer drohenden Handelskrise mit den USA steht er vor einer innenpolitischen Kontroverse: Die geplante Streichung von Steuervergünstigungen für religiöse Organisationen sorgt für heftige Debatten.

Olivier Bonnel - Vatikanstadt

Der neue kanadische Premierminister Mark Carney ist am Freitag, den 14. März, offiziell ins Amt eingeführt worden. Der ehemalige Chef der Bank of Canada und der Bank of England tritt die Nachfolge von Justin Trudeau an, der Anfang Januar nach fast zehn Jahren im Amt seinen Rücktritt angekündigt hatte. Carneys erste große Herausforderung wird der eskalierende Handelskonflikt mit den USA sein, nachdem Präsident Donald Trump Kanada provokant als „51. US-Bundesstaat“ bezeichnet hatte. Doch während diese Krise im Mittelpunkt der politischen Debatte steht, sorgt eine innenpolitische Kontroverse für wachsende Spannungen: Der geplante Entzug von Steuervergünstigungen für religiöse Organisationen stellt das kanadische Wohlfahrtssystem vor eine große Bewährungsprobe.

Zum Nachhören - was der Experte sagt

Geplante Gesetzesänderungen: Religionsgemeinschaften unter Druck

Bereits seit Dezember wird im kanadischen Parlament über den neuen Bundeshaushalt debattiert. Zwei umstrittene Klauseln, 429 und 430, könnten erhebliche Auswirkungen auf religiöse Organisationen im Land haben. Klausel 429 sieht vor, dass Organisationen, die sich gegen Abtreibung aussprechen, künftig nicht mehr von Steuervergünstigungen profitieren. Noch weitreichender ist Klausel 430, die jegliche steuerlichen Vorteile für alle religiösen Organisationen streichen könnte.

Benjamin Boivin, Redaktionssekretär des katholischen Medienhauses Le Verbe in Québec, warnte vor den Konsequenzen dieser Pläne: „Die Abschaffung der Steuervergünstigungen könnte enorme Auswirkungen auf die kanadische Gesellschaft haben.“ Er betonte, dass kirchliche Einrichtungen – darunter nicht nur katholische Pfarreien, sondern auch Moscheen und Synagogen – eine zentrale Rolle im sozialen Gefüge des Landes spielen.

Kirchlicher Widerstand gegen die Pläne der Regierung

Die katholische Kirche und andere religiöse Gemeinschaften reagierten mit großer Besorgnis auf die möglichen Gesetzesänderungen. Kardinal Frank Leo, Erzbischof von Toronto, wandte sich am 21. Februar in einem offenen Brief an Finanzminister Dominic Leblanc. Darin betonte er: „Religiöse Wohltätigkeitsorganisationen stärken das soziale Gefüge unseres Landes durch ihren aufopferungsvollen Dienst und ihre Fürsorge.“ Er bezeichnete den möglichen Entzug des Wohltätigkeitsstatus als „völlig inakzeptabel“ und erinnerte daran, dass Kanada „die unersetzliche Rolle von Glauben, Gottesdienst und Religion in der Gesellschaft immer anerkannt hat“.

Auch die Evangelical Fellowship of Canada (EFC) meldete sich mit einer Stellungnahme zu Wort. Sie argumentierte, dass „die Existenz und der Dienst religiöser Gemeinschaften der gesamten kanadischen Gesellschaft zugutekommen, weit über die Gläubigen hinaus“.

Droht ein Schaden für das gesamte Sozialsystem?

Eine im Dezember 2024 veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts Cardus liefert weitere Argumente gegen die Streichung der Steuervergünstigungen. Demnach profitieren nicht nur die Glaubensgemeinschaften, sondern auch der Staat von den steuerlichen Anreizen. Die Studie ergab, dass der Wert der gemeinnützigen Arbeit von religiösen Organisationen 10,5-mal höher ist als die steuerlichen Vergünstigungen, die sie erhalten.

Laut offiziellen Zahlen machen religiöse Organisationen etwa 40 Prozent der rund 73.000 eingetragenen Wohltätigkeitsorganisationen in Kanada aus. Ihre Arbeit umfasst Suppenküchen, Obdachlosenhilfe, Bildungsangebote, Seelsorge und zahlreiche andere soziale Dienste. Ohne Steuervergünstigungen könnte die Finanzierung dieser Programme drastisch einbrechen.

Politische Entscheidung steht noch aus

Bisher sind die Klauseln 429 und 430 nicht endgültig verabschiedet worden. Doch die Debatte gewinnt an Schärfe, und viele Kirchenvertreter sehen sich in einer existenziellen Auseinandersetzung mit der neuen Regierung. Premierminister Mark Carney hat sich zu dieser Frage bislang nicht klar positioniert, doch sein weiteres Vorgehen könnte entscheidend für das Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften in Kanada sein.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Regierung auf den massiven Widerstand der Kirchen reagiert oder ob eine der tiefgreifendsten Veränderungen im kanadischen Wohlfahrtssystem bevorsteht.

(vatican news - mg)

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15. März 2025, 10:09
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