Sudan: Ein Priester kämpft für seine Schüler
Jean-Benoît Harel und Mario Galgano - Vatikanstadt
Der Sudan erlebt eine der schlimmsten humanitären Krisen unserer Zeit. Laut den Vereinten Nationen sind mehr als zwölf Millionen Menschen – ein Drittel der Bevölkerung – durch den seit fast zwei Jahren andauernden Krieg mittlerweile vertrieben worden. Während in der Hauptstadt Khartum die Kämpfe zwischen den Streitkräften des Landes und paramilitärischen Gruppen eskalieren, ringen die Menschen in anderen Teilen des Sudans ums tägliche Überleben.
Ein Priester, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, schildert gegenüber Radio Vatikan die dramatische Lage aus Kosti, einer Stadt südlich von Khartum. Trotz extremer Schwierigkeiten, Stromausfällen, Cholera-Ausbrüchen und Drohnenangriffen setzt er sich unermüdlich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Er glaubt fest an eine bessere Zukunft für die kleine christliche Gemeinschaft, die im Sudan rund eine halbe Million Menschen umfasst.
Schulen im Ausnahmezustand
Der Priester ist nicht nur Seelsorger, sondern auch Lehrer und Direktor mehrerer Schulen in Kosti. Doch die Schülerzahlen sind drastisch gesunken. „Früher hatten wir etwa 3.000 Schüler, jetzt sind es nicht einmal mehr 1.000“, berichtet er. Viele Familien sind innerhalb des Landes geflohen oder haben den Sudan verlassen – insbesondere in den Südsudan. Diejenigen, die geblieben sind, gehören meist zu den ärmsten Schichten der Gesellschaft, die keine Möglichkeit zur Flucht haben.
Seit September hat die sudanesische Regierung nach zwei Jahren Krieg eine Wiederöffnung der Schulen angeordnet. Doch der Unterricht findet unter schwierigen Bedingungen statt. „Wir haben oft tagelang keinen Strom. In den heißen Monaten wird das Klassenzimmer unerträglich, weil die Ventilatoren nicht funktionieren“, erzählt der Priester. Trotz der widrigen Umstände tun Lehrer und Schüler ihr Bestes, um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten.
Cholera und hygienische Herausforderungen
Neben den Auswirkungen des Krieges bedroht auch die Cholera-Epidemie das Leben der Menschen. „Wir müssen Hygienevorschriften durchsetzen, um Ansteckungen zu verhindern“, erklärt der Priester. „Das bedeutet, dass wir den Schülern beibringen, regelmäßig die Hände zu waschen und nur saubere Lebensmittel zu konsumieren. Verkäufer müssen sich an strenge hygienische Vorschriften halten.“ Die Aufrechterhaltung der Sauberkeit in den Schulen ist eine tägliche Herausforderung, doch der Geistliche sieht darin eine lebenswichtige Aufgabe.
Die Zukunft der Christen im Sudan
Die christliche Minderheit im Sudan steht unter enormem Druck. „Christen dürfen oft nicht arbeiten oder müssen sich mit schlecht bezahlten Jobs zufriedengeben“, berichtet der Priester. Viele verlassen das Land in Richtung Uganda, Kenia oder Ägypten. Einige sehen sich sogar gezwungen, ihren Glauben aufzugeben, um sozial nicht benachteiligt zu werden.
Doch trotz aller Widrigkeiten bleibt der Priester optimistisch: „Wir Christen glauben, dass sich die Dinge eines Tages ändern werden. Der Krieg wird nicht ewig andauern. Wir sind hier geblieben, weil wir an eine bessere Zukunft glauben.“ Seine Schulen seien nicht nur Bildungsstätten, sondern auch ein Symbol der Hoffnung – für eine Generation, die trotz Krieg und Entbehrung nicht aufgebe, so der Geistliche abschließend.
(vatican news)
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