Myanmar: Immer mehr Christen werden Opfer der Repression
„Seit Ende März werden die Zusammenstöße zwischen der Armee und bewaffneten Gruppen ethnischer Minderheiten in Bundesstaaten wie Kachin oder Karen immer zahlreicher und auch tödlicher“, berichtet Sabine Hammond von der Pariser Auslandsmission, die als Freiwillige in Myanmar gearbeitet hat, im Interview mit dem französischen Radiosender RCF.
Am Sonntagabend starben bei Loikaw, der Hauptstadt des Unionsstaates Kayah, vier Menschen beim Beschuss einer Kirche, in die sich 300 Zivilisten geflüchtet hatten. Die örtlichen Jesuiten sprachen von Verbrechen des Militärs und forderten, die Soldaten zur Verantwortung zu ziehen. In den Staaten Kayah und Karen im Osten und Südosten Myanmars halten sich mit 83.000 Binnenvertriebenen derzeit besonders viele Flüchtlinge auf.
Massenflucht und Hilfen, die nicht ankommen
Auch in Shan und Kachin im Nordosten und in Chin im Westen des Landes sind Zehntausende auf der Flucht vor den kriegerischen Auseinandersetzungen. In Oberbirma, dem Siedlungsgebiet der Myanmar dominierenden ethnischen Mehrheit der Bama, sind Tausende auf der Flucht vor der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen den Militärputsch vom 1. Februar. In der Region Sagaing in der Nähe von Mandalay seien inzwischen mehr als 20.000 Menschen aus ihren Dörfern geflüchtet, berichtet das unabhängige myanmarische Nachrichtenportal Irrawaddy.
Wegen der Gewalt, den Straßensperren und Störungen des Banksystems dringt die humanitäre Hilfe in den Krisengebieten kaum zu den Flüchtlingen durch, obwohl Hilfsorganisationen Millionen von US-Dollar für die Binnenvertriebenen bereitgestellt hätten, beklagte das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) an diesem Freitag.
Kirche setzt weiter auf Dialog
Auch der Handlungsspielraum der Ortkirche und Missionare im Land wird vor dem Hintergrund des bewaffneten Konfliktes immer enger, so Sabine Hammond von der Pariser Auslandmission. Die Kirche bemühe sich aber darum, den Dialog mit den Militärs nicht abreißen zu lassen.
„Die Gemeinschaften setzen ihre Arbeit fort. Das Bild, auf dem die Ordensschwester Anne auf den Knien Militärs beschwört, nicht gegen Demonstranten vorzugehen, ist ja um die Welt gegangen; auch sie arbeitet weiter als Krankenschwester im Krankenhaus ihres Ordens, traut sich aber nicht, raus auf die Straße zu gehen. Natürlich sind die Arbeitsbedingungen für diese Missionare ausgesprochen schwierig. Alle, die im Schulbereich tätig waren, können überhaupt nichts tun, denn die Schulen sind schon seit mehreren Monaten geschlossen, schon wegen Corona. Immerhin, die Missionare arbeiten weiter, und der Dialog zwischen den religiösen Führern und den Militärs ist nicht abgebrochen, auch wenn die Lage sehr gespannt ist.“
Bei einer Messe für Myanmar im Petersdom hat Papst Franziskus die Menschen in Myanmar jüngst dazu aufgerufen, sich gerade angesichts anhaltender Unterdrückung und Gewalt für Frieden und Geschwisterlichkeit einzusetzen. Dabei sollten sie „nicht der Logik des Hasses und der Rache nachgeben, sondern fest auf den Gott der Liebe“ blicken, „während auf Erden gekämpft und unschuldiges Blut vergossen wird“, sagte Franziskus bei der Solidaritätsmesse für Myanmar.
(rcf radio/vatican news/kna – sk/pr)
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