EU stärkt ihre Präsenz in Rom
Die „Villa Europa“ liegt beim Circo Massimo in direkter Nachbarschaft zu den römischen UN-Organisationen – ein bewusster Schritt, wie Selmayr erklärte: „Wir wollten näher an die Vereinten Nationen heran.“ Denn die Europäische Union bleibe „dem regelbasierten multilateralen System und den Vereinten Nationen als dessen Kern verpflichtet, und deshalb werden wir Ihnen nahe sein, weil wir mit unseren mehr als 185 Partnern in der Welt zusammenarbeiten wollen“, so der Diplomat, der besonders die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und das World Food Programme nannte.
Er versicherte darüber hinaus, die EU bleibe ihren „historischen, kulturellen und religiösen Wurzeln treu“. Deshalb werde die neue Niederlassung bewusst am Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 eröffnet, „dem Anfang eines Friedensprojekts, dem wir uns weiterhin verpflichtet fühlen“, so Selmayr.
Auch Erzbischof Paul Richard Gallagher, Sekretär für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, betonte in seiner Rede die ungebrochene Bedeutung des Multilateralismus. „Trotz der immer lauteren Kriegsgeräusche stellt das europäische Projekt eine einzigartige Chance für Frieden in der Geschichte unseres Kontinents dar“, erklärte Gallagher. Papst Franziskus, dem Europa „sehr am Herzen“ liege, lade dazu ein, „eine Diplomatie der Hoffnung aufzubauen – als Gegengift zur ständigen Versuchung, das Recht des Stärkeren walten zu lassen." Statt auf die „Logik der Konfrontation" müsse man Franziskus zufolge auf die „Logik der Begegnung" setzen.
Diese Haltung, so Gallagher weiter, verpflichte dazu, „Instrumente mit globaler Reichweite wertzuschätzen und sich mit Entschiedenheit für das globale Gemeinwohl einzusetzen – für die Beseitigung von Hunger und Armut und die verlässliche Verteidigung der grundlegenden Menschenrechte“. In diesem multilateralen Rahmen „erkennen sich der Heilige Stuhl und die Europäische Union leicht wieder“, so Gallagher. „Der Einsatz beider Seiten zugunsten dieses Ansatzes lässt nicht nach – auch wenn es unterschiedliche Sichtweisen zur Lösung konkreter Fragen geben mag.“
Lob des Multilateralismus
Die Alternative zum Multilateralismus sei „die Suche nach neuen Machtbalancen militärischer oder kommerzieller Art – stets prekäre und wandelbare Gleichgewichte“, bemerkte der Erzbischof. Sie riskierten, „neue Spannungen zu erzeugen, statt Harmonie unter den Völkern zu fördern“. Multilaterale Diplomatie bedeute keineswegs, blind zu sein gegenüber den „immer beunruhigenderen Szenarien“. Aber sie bedeute, nicht der Hybris zu verfallen, sondern „die besseren und edleren Züge der menschlichen Natur walten zu lassen – jene, die in der europäischen Geschichte verwurzelt sind: im griechischen Denken, im römischen Recht und in der jüdisch-christlichen Sicht auf den Menschen“.
Bereits im vergangenen Oktober hatte Selmayr Papst Franziskus sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter der EU beim Heiligen Stuhl überreicht. Daneben vertritt der deutsche Diplomat die EU auch beim Malteserorden, bei der Republik San Marino und bei den in Rom ansässigen UN-Organisationen.
Bei der feierlichen Eröffnung der „Villa Europa" sang ein ukrainischer Kinderchor unter anderem die Europa-Hymne. Selmayr schloss mit dem persönlichen Wunsch, dass die Ukraine eines Tages zur EU gehören werde.
(vatican news – gs)
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